Interview
mit der Gründungsschulleitung
Drei Schülerinnen aus der vierten Klasse der Grundschule Sander Straße kamen zu Besuch, um Marion Zirkel-Maas, die Gründungsschulleiterin des Bille-Gymnasiums, zur neuen Schule zu befragen. Mieke, Florentine und Miyu waren sehr gut vorbereitet und hatten einen langen Fragenkatalog dabei…

Mieke: Werden Kinder am Bille-Gymnasium gefördert oder gefordert?
Marion Zirkel-Maas: Natürlich beides! Es wird sicher Herausforderungen geben, für die ihr euch anstrengen müsst. Aber ihr bekommt natürlich Aufgaben, die für euch auch lösbar sind. Wenn das gut funktioniert, ist das ein schönes Erfolgserlebnis. Wenn nicht, dann helfen wir euch dabei, herauszufinden, woran das gelegen hat.
Mieke: Wie geht das?
Marion Zirkel-Maas: Dafür habt ihr einen „Buddy“, das ist eine Art Lerntagebuch, mit dem ihr das Lernen plant, organisiert und dokumentiert. Erst ist das ein richtiges Buch, ab der Mittelstufe ist der Buddy digital. Ihr findet darin Tipps und Anregungen zum selbständigen Lernen sowie Lösungsvorschläge für schwierige Situationen. Zum anderen begleiten euch die Lehrkräfte beim Lernen und besprechen regelmäßig mit euch eure Arbeitsergebnisse, wie ihr arbeitet und eure eigenen Überlegungen dazu. Deshalb ist der Buddy so wichtig, weil ihr darin alles aufschreibt. Denn durch diese enge Begleitung in Kombination mit eurer eigenen Reflexion wird sehr gut sichtbar, wen wir stärker fordern können oder besser fördern müssen und vor allem, was individuell nötig und sinnvoll ist.
Miyu: Gibt es auch Hilfe für Kinder, die zum Beispiel Schwierigkeiten mit Rechtschreibung haben oder so?
Marion Zirkel-Maas: Na klar, das ist doch selbstverständlich. Dafür sind wir ja eine Schule und das ist auch für alle Schulen Pflicht. Es gibt Förderkurse, so wie an anderen Schulen auch. Außerdem bekommt ihr bei uns auch eine sehr individuelle Betreuung, weil die Lehrer:innen aus den verschiedenen Klassen eines Jahrgangs sehr intensiv zusammenarbeiten und sich dadurch in den freien Lernzeiten sehr gut um einzelne Schüler:innen kümmern können. Zum Beispiel können sie sich so aufteilen, dass eine Lehrkraft mit den ganz schnellen Schüler:innen schon weitearbeitet, während die Kolleg:innen sich um die kümmern, die mehr Zeit oder mehr Unterstützung brauchen. Dafür ist es gut, wenn man in offenen Lernbereichen klassenübergreifend arbeitet.
Florentine: Was wird bis zur Eröffnung fertig?
Marion Zirkel-Maas: Das Hamburger Klassenhaus wird fertig sein, da ziehen wir in den Sommerferien vor dem Schulbeginn ein. Und auch ein Teil vom Schulhof, den wir dann ja brauchen für die Pausen, damit ihr euch draußen bewegen könnt. Auch die Mensa soll fertig werden. Im Moment kommt die Baustelle so gut voran, dass wohl auch die Turnhalle fertig wird. Das Hauptgebäude ist zum Schulstart noch nicht ganz ausgebaut. Aber erstmal haben wir im Klassenhaus genug Räume und alles, was wir brauchen.
Miyu: Was macht das Bille-Gymnasium so besonders?
Marion Zirkel-Maas: Es gibt einige Besonderheiten. Besonders ist zum Beispiel, dass wir euch so viel Freiheit lassen beim Lernen. Und dafür haben wir auch besondere Räume. Ihr könnt sehr oft selbst entscheiden, mit wem ihr lernt und wo ihr am liebsten lernen wollt, zum Teil auch was. Es gibt auch Stunden im Stundenplan, die nennen wir SEGEL-Stunden, das steht für „selbstgesteuertes Lernen“. Hier übt ihr, wie ihr euch beim Lernen gut organisiert. Damit ihr den Überblick nicht verliert, habt ihr euren Buddy, von dem ich eben erzählt habe, und natürlich unterstützen euch dabei auch eure Lehrkräfte. Wenn das Konzept, das wir uns überlegt haben, gut funktioniert, brauchen wir am Bille-Gymnasium keine Hausaufgaben mehr.
Mieke: Welche AGs wird es geben, und gibt es Nachmittagsbetreuung?
Marion Zirkel-Maas: Ja, es gibt eine Nachmittagsbetreuung, aber es gibt am Nachmittag noch viel mehr, denn wir wollen, dass ihr nicht nur betreut werdet, sondern dass ihr auch am Nachmittag etwas lernt oder euch richtig gut erholt und einen gesunden Ausgleich zum Lernen findet. Zum Beispiel indem ihr etwas Kreatives macht oder Sport oder AGs zur Entspannung. Manche AGs und Projekte haben auch direkt mit dem Unterricht zu tun. So habt ihr auch die Möglichkeit, euch mit Dingen noch mal etwas mehr zu beschäftigen, die ihr im Unterricht schön fandet oder für die ihr euch einsetzen wollt.
Florentine: Welche zwei Fremdsprachen wird es geben?
Marion Zirkel-Maas: Also, ich bin Lateinlehrerin. Und weil ich ja sowieso da bin, gibt es auf jeden Fall Latein als Angebot. Aber Spanisch soll auch zur Wahl stehen, und beides ab Klasse 7. Was sagt ihr dazu?
Florentine, Mieke und Miu: Ja, Spanisch finden wir gut.
Mieke: Wird es dann auch einen Schüleraustausch geben?
Marion Zirkel-Maas: Das wollen wir auf jeden Fall. Aber dafür braucht man Lehrer:innen, die sowas organisieren, und die kommen erst im Sommer. Und dann müssen wir schauen, ob da vielleicht schon jemand dabei ist, der Kontakte zu einer anderen Schule im Ausland hat. Sonst werden wir uns erst neue Partnerschulen suchen müssen. Aber das hat ja noch ein bisschen Zeit. Schüleraustausch macht man ja nicht sofort in Klasse 5.
Florentine: Und dürfen wir nach der Schule auf den Schulhof?
Marion Zirkel-Maas: Wir fänden es sehr schön, wenn der Schulhof für Kinder, die hier spielen möchten, immer offen bleiben könnte. Das setzt aber voraus, dass sich hier alle gut verhalten, also nichts beschädigen und keinen Müll rumliegen lassen. Wir können hier ja nicht jeden Tag vor dem Unterricht erstmal aufräumen und saubermachen. Das probieren wir also aus.
Miyu: Stellen sich die Klassenlehrer:innen beim Infotag vor?
Marion Zirkel-Maas: Das fänden wir auch sehr schön. Aber das ist leider sehr schwierig, weil im Sommer ja noch ganz viele neue Kolleg:innen neu an die Schule kommen. Deshalb können wir noch gar nicht genau sagen, welche Lehrer:innen zusammen ein Klassenlehrerteam bilden werden. Aber das Gründungsteam wird sich beim Infotag vorstellen, und die werden sicher alle auch Klassenlehrer werden, nur die Teams wissen wir noch nicht.
Florentine: Wann fahren wir ungefähr auf Klassenfahrt, in welcher Klasse?
Marion Zirkel-Maas: Die erste Klassenreise findet für euch in Klasse 6 statt, vermutlich schon bald nach den Sommerferien. In Klasse 5 habt ihr zu Beginn eine Orientierungs- und Kennenlernwoche. Wenn die Schule größer ist und mehr Lehrer:innen da sind, machen wir aber bestimmt schon in Klasse 5 eine Kennenlernfahrt. Wann dann wieder eine Reise stattfindet, müssen wir zusammen mit euren Eltern entscheiden. Sicher wird es eine Reise in der Mittelstufe und eine in der Oberstufe geben.
Mieke: Wird es vor den Sommerferien einen Kennenlernnachmittag geben?
Marion Zirkel-Maas: Ja, und nicht nur das. Wir wollen auch gerne zu ein paar Dingen, die wir entscheiden müssen, eure Meinung erfahren. Zum Beispiel interessiert uns, welche Tische und Stühle ihr gut findet und wie ihr eure Klassenräume einrichten wollt. Im Gegensatz zu anderen Schulen können wir ja jetzt ganz viele Möbel neu bestellen. Und da wollen wir euch natürlich einbeziehen! Wir haben uns gedacht, dass wir das doch gut mit einem oder vielleicht mehreren Kennenlernnachmittagen kombinieren können.
Miyu: Warum wollen Sie Schulleiterin einer neuen Schule werden?
Marion Zirkel-Maas: Das ist eine tolle Chance. Wenn man eine neue Schule aufbaut, hat man die Möglichkeit, die Dinge ganz anders zu machen und neue pädagogische Konzepte umzusetzen. Man kann auch die Räume ganz anders planen, damit sie die Bedürfnisse der Kinder und Lehrkräfte besser erfüllen und zu einem modernen Unterricht passen. Was ich besonders schön finde, ist auch, dass man vieles mit Schülern, Eltern und mit den neuen Kolleg:innen zusammen entwerfen und entwickeln kann. Das macht mir richtig Spaß.
Miyu: Was dürfen wir Kinder denn mitbestimmen?
Marion Zirkel-Maas: Ganz viel. Das ist ja das Tolle, es gibt so viel zu tun!
Zum Beispiel haben wir im Gründungsteam überlegt, ob es morgens eine Ankunftszeit geben soll, wo ihr in Ruhe ankommen könnt, euch begrüßen, vielleicht noch eine Kleinigkeit frühstücken, bevor die Lernzeiten losgehen. Aber wir wissen gar nicht, ob ihr das wollt. Denn wenn wir 15 oder 20 oder 30 Minuten später anfangen, dann kommt ihr am Nachmittag ja auch später nach Hause. Deshalb haben wir jetzt nur eine kurze Ankommenszeit geplant, um im ersten Schuljahr mit euch zusammen zu entscheiden, ob diese verlängert oder verkürzt oder sogar abgeschafft werden soll.
Ein anderes Beispiel ist die Einrichtung mancher Räume. Es gibt bestimmte Bereiche im Klassenhaus und im Hauptgebäude, für die wir zwar Ideen haben. Aber wir haben ganz bewusst entschieden, dass wir noch nicht festlegen, wofür wir die später genau nutzen wollen und welche Möbel wir dafür bestellen. Bei der Galerie im ersten Stock wäre es zum Beispiel möglich, daraus einen Bereich zum Chillen zu machen, eine Bibliothek oder eine Fläche zum Toben und Spielen. Das möchten wir nicht ohne euch entscheiden.
Marion Zirkel-Maas: War das die letzte Frage? (Alle nicken.) – Das war schön! Vielen Dank für die tollen Fragen, die habt ihr euch ja sehr genau überlegt! Dann sehen wir uns alle beim Infotag?
Florentine, Mieke und Miyu: Ja!